An der Verleihung des Ig-Nobelpreises in Zürich Anfang September wurde Forschung ausgezeichnet, die zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregt. Die Studie «Beweisstück Unterhose» der Universität Zürich (UZH) erhielt den Preis in der Kategorie Bodenkunde.
Dass Forschende durchaus Humor haben und gelegentlich sogar zu Irrwitz neigen, bewiesen sie an der gestrigen Verleihung der Ig-Nobelpreise im Züricher Kongresshaus. Beim satirischen Gegenstück zu den offiziellen Nobelpreisen im Oktober liefen sie zu Höchstform auf: Da erschienen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Kakerlaken, der «Bundesrat für Verteidigung, Angriff und Neutralität» machte seine Aufwartung, lebensgrosse Bananen boten allzu langen Reden Einhalt und das Preisgeld betrug 10 Billionen Simbabwe-Dollar – umgerechnet 5 Rappen. Schon der Name ist Programm: «Ig» macht aus «Nobel» «ignoble» – also unwürdig oder schmachvoll.
So humorvoll und selbstironisch die Veranstaltung sich jeweils gestaltet, die prämierten Studien sind seriös gemacht und durchaus ernst gemeint. Den «unwürdigen» Nobelpreis erhalten ausschliesslich Forschungen, die so kurios klingen, dass man zuerst darüber lachen, dann aber darüber nachdenken muss.
Überreicht wurden die Preise – ein menschlicher Plastikfuss mit zahlreichen Pilzen – jeweils von anwesenden «richtigen» Nobelpreisträgerinnen und -trägern: Esther Duflo und Abhijit Banerjee von der UZH-Entwicklungsökonomie, der Schweizer Astrophysiker Michel Mayor sowie der britische Biochemiker Sir Tim Hunt liessen es sich nicht nehmen, ihre Kolleginnen und Kollegen zu prämieren.
Um 19:20 Uhr betraten dann der UZH-Agrarökologieprofessor Marcel van der Heijden, Franz Bender, Teamleiter für agrarökologische Bewertungen bei Agroscope, der Wissenschaftsjournalist Atlant Bieri sowie Pia Viviani, Inhaberin einer Agentur für Citizen Science, die grosse Bühne. Sie erhielten den Ig-Nobelpreis für ihre Citizen-Science-Studie «Beweisstück Unterhose» zur Bodenqualität. Im Jahr 2021 konnten sie 1'000 Schweizerinnen und Schweizer überzeugen, über 2'000 Baumwollunterhosen in Vorgärten, auf Feldern und Wiesen zu vergraben. Nach zwei Monaten wurden diese wieder ausgegraben, fotografiert und mit einer Bodenprobe ins Labor zur Analyse geschickt.
Dass das ganze Team Humor hat, bewies es an der Preisverleihung: Hinter den Geehrten prangte eine Wand mit Unterhosen in unterschiedlichen Zersetzungsstadien und Franz Bender gab sogar ein eigens komponiertes Lied über Slips zum Besten.
Überhaupt wurde an diesem gelungenen Abend in Zürich sehr viel gelacht und gejohlt, die Wissenschaft zeigte sich von ihrer heitersten Seite. Und am Schluss sei noch verraten: In einem der drei gelben Bananenkostüme steckte kein Geringerer als Michael Schaepman, Rektor der UZH. Auch er hatte seinen Spass.



