Soziale Situationen sind für autistische Jugendliche häufig mit grosser Unsicherheit verbunden. Mit VRsocial entwickelt die Universität Zürich (UZH) gemeinsam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) ein neues Therapieangebot, das soziale Kompetenzen von Betroffenen mithilfe von Virtual Reality (VR) realitätsnah und individuell fördert.

Rund 9’000 Jugendliche in der Schweiz sind von Autismus-Spektrum-Störungen betroffen – Tendenz steigend. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, soziale Signale zu deuten, Gespräche zu führen oder sich in zwischenmenschlichen Situationen zurechtzufinden. Negative Erfahrungen führen häufig zu Rückzug, Ängsten und zusätzlicher psychischer Belastung und können ihre schulische, berufliche und soziale Teilhabe nachhaltig beeinträchtigen.
Gleichzeitig sind spezialisierte Therapieangebote begrenzt, Wartelisten lang und bestehende Programme nicht für alle gleich gut zugänglich. Dazu kommt, dass Gruppentrainings für Jugendliche mit ausgeprägten sozialen Ängsten, sensorischen Belastungen oder individuellen Bedürfnissen oft schwer besuchbar sind. Es braucht deshalb neue Ansätze, die individualisierbar und besser zugänglich sind.
Gemeinsam entwickeln die KJPP der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und die UZH deshalb ein VR-gestütztes Sozialkompetenztraining für Jugendliche im Autismus-Spektrum zwischen 12 und 18 Jahren. Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille können soziale Interaktionen in einer geschützten, realitätsnahen Umgebung und im eigenen Tempo trainiert werden.
Die Therapie basiert auf dem etablierten Sozialkompetenztraining KOMPASS, das an der KJPP entwickelt wurde und seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Es vermittelt alltagsnahe Verhaltensstrategien und fördert das Verständnis sozialer Situationen – von der Emotionswahrnehmung über Gesprächsführung und nonverbale Kommunikation bis hin zu Perspektivenwechsel und sozialer Interaktion.
VRsocial überträgt diese Inhalte in ein digitales, immersives Format und entwickelt sie gezielt weiter. Strukturierte Theorie-Module werden mit interaktiven Übungen und KI-basierten Avatar-Dialogen kombiniert, sodass zentrale soziale Fähigkeiten wiederholt und in unterschiedlichen Kontexten trainiert werden können – angepasst an individuelle Bedürfnisse. Ziel ist es, den Transfer in den Alltag zu stärken und den Jugendlichen mehr Sicherheit im sozialen Miteinander zu geben.
VRsocial ist nicht nur ein neues Therapieangebot, sondern auch ein Forschungsprojekt. Die Wirksamkeit wird im Rahmen einer klinischen Studie an der KJPP untersucht. Dabei wird Psychotherapie mit und ohne VR-Unterstützung verglichen. Es werden vor und nach der Intervention Verhaltensexperimente durchgeführt und neurophysiologische Daten durch EEG erhoben, um zugrunde liegende Mechanismen zu verstehen und Therapieerfolg besser vorhersagen zu können.
Während des Trainings werden parallel digitale Biomarker erfasst, etwa Blickverhalten, Sprachdaten und physiologische Stressreaktionen. Diese Daten liefern neue Einblicke in die Informationsverarbeitung bei Autismus und ermöglichen eine differenziertere Erfassung individueller Profile. So schafft VRsocial die Grundlage für passgenauere und wirksamere Therapieansätze.
Ihre Unterstützung hilft, jungen Menschen den Zugang zu wirksamer und individuell angepasster Therapie zu ermöglichen und ihre soziale Teilhabe nachhaltig zu verbessern.
