Wie entstehen im Tierreich Kultur, Kreativität und Kommunikation – und was verraten sie über uns Menschen? Wie lassen sich Artenschutz, Naturschutz und die Förderung junger Forschender gemeinsam denken? Und welche Hinweise auf Zoonosen verbirgt das Erbgut unserer nächsten Verwandten? Diesen und weiteren Fragen widmet sich die UZH-Evolutionsanthropologin Kathelijne Koops in den Schimpansengemeinschaften der Mount-Nimba-Region, einem als UNESCO-Weltnaturerbe geschützten Hotspot der Biodiversität.

Junger Schimpanse „Katuo“, fotografiert von K. Koops am 29. März 2025 in den Nimba-Bergen (Guinea, Westafrika).
Weltweit gibt es schätzungsweise nur noch rund 300 000 wildlebende Schimpansen. Besonders kritisch ist die Lage in Westafrika. Heute leben dort geschätzt noch rund 50 000 Individuen. Hauptursachen der Bedrohung sind Lebensraumverlust, illegale Jagd und Wildtierhandel. Auch Krankheiten und Mensch-Tier-Kontakte, meist bedingt durch schrumpfende Habitate, gefährden den Fortbestand dieser Affen. Eine Population von entscheidender Bedeutung von 300 bis 500 Schimpansen lebt im Mount-Nimba-Gebiet, dem westlichen Grenzgebiet Guineas. Die Region gilt als UNESCO-Weltnaturerbe und ist ein wichtiges Refugium für diese westlichen Schimpansen, in einer stark durch menschliche Nutzung belasteten Region. Ihre Schutzrelevanz ist besonders hoch, da diese Population zur genetischen Vielfalt ihrer Unterart beiträgt und einzigartige kulturelle Verhaltensweisen bewahrt, deren Verlust irreversibel wäre.
Professorin Kathelijne «Kat» Koops ist ein langfristiges Forschungs- und Naturschutzprojekt für den Schutz westafrikanischer Schimpansen und die Erforschung unserer nächsten, noch lebenden Verwandten. Gemeinsam mit ihrem Team in Guinea treibt die UZH-Professorin ihre Langzeitstudien zum Verhalten der Nimba- Schimpansen voran und setzt sich für den Erhalt des Ökosystems ein. Ihre Forschungsarbeit konzentriert sich auf zwei benachbarte Schimpansen-Gemeinschaften am Mount- Nimba. Dabei untersucht Professorin Koops erlernte gruppenspezifische Verhaltensweisen, insbesondere Werkzeuggebrauch, Ernährungsstrategien, Nestbau und Kommunikation. Diese Beobachtungen liefern wichtige Erkenntnisse, wie ähnlich wir Menschen mit unseren nächsten Verwandten, den Primaten sind. Der Einsatz von Werkzeugen galt bis vor wenigen Jahrzehnten nur den Menschen vorbehalten. Durch wissenschaftliche Beobachtungen wird jedoch klar, dass Schimpansen zur Nahrungssuche und -aufnahme ganz bewusst Werkzeuge erstellen und einsetzen. Während der Forschungsarbeit wird auch DNA der Schimpansen analysiert. Dies liefert wertvolle Erkenntnisse über genetische Gesundheitsaspekte und die Verbreitung von Zoonosen bei Schimpansen, anderen Wildtieren und Menschen. Dieses Wissen wird im Kontext von One Health eingesetzt und ist für die globale Gesundheitsvorsorge von unmittelbarer Relevanz.
Parallel zur Datenerhebung der Schimpansen dokumentiert das Projekt menschliche Einflüsse, wie illegale Jagd und Brandrodung. Das Projektteam entfernt Schlingenfallen und leistet somit einen direkten Beitrag, um diese illegalen Praktiken zu unterbinden. Die Forschungsarbeit von Professorin Koops stärkt auch lokale Gemeinschaften. Dank der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses baut das Forschungsteam vor Ort Know-how auf und aus und ermöglicht somit, das erlangte Wissen weiterzugetragen.

«Schimpansen sind uns Menschen so nahe wie keine andere Spezies. Dank der Forschung von K. Koops und ihrem Team erfahren wir nicht nur mehr über diese vom Aussterben bedrohten Primaten. Wir lernen dabei auch, was es heisst, Mensch zu sein.»
Prof. Dr. Richard Wrangham, Leitender Forscher für Biologische Anthropologie an der Harvard University (emeritiert) und Gründer des Kibale-Schimpansen-Projekts
Das Forschungsteam ist international gut vernetzt und geniesst hohes Ansehen. Das Nimba-Schimpansen-Projekt wurde 2025 mit einem DEI-Preis der International Primatological Society international gewürdigt. Das Projekt führt das Erbe renommierter Primatologen wie Dr. Jane Goodall fort, die Prof. Koops zur Gründung des Nimba-Schimpansen-Projekts ermutigt hatte.
Um die Forschung sowie die Ausbildung auf einem qualitativ hohen Niveau weiterführen zu können, ist eine bescheidene, aber vollfunktionelle Forschungsstation notwendig. Für den Aufbau dieser Forschungsstation stehen keine öffentlichen Forschungsgelder zur Verfügung, das Projekt ist darum auf private Drittmittel angewiesen. Damit sollen einerseits Analysen und Auswertungen vertieft, andererseits vermehrt Schulungen und Workshops durchgeführt werden.
Mit Ihrer Spende helfen Sie, wertvolle Erkenntnisse für Primatologie, menschliche Evolution und One Health zu erlangen und gleichzeitig die bedrohten Lebensräume zu bewahren.

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Linda Schweizer-Thong
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